Anleitung für Schleichdiktat & Laufdiktat

Schleichdiktat und Laufdiktat: die Anleitung

„Hefte raus: Wir schreiben ein Diktat!“

Welches Kind hört gerne diesen Satz in der Schule? … Eben. Diktate sind zwar unverzichtbar, um Rechtschreibung zu lernen. Doch sie sind unbeliebt.

Dabei gibt es weniger langweilige Varianten, wie etwa das Schleichdiktat (manchmal Indianerdiktat genannt) oder das Laufdiktat.

Was ist mit diesen Übungen genau gemeint, warum sind sie so toll und wie führst du sie für deinen Unterricht durch? In diesem Artikel erkläre ich dir alles genau.

Was ist ein Schleichdiktat?

Beim normalen Diktat liest die Lehrkraft einzelne Wörter oder einen ganzen Text Stück für Stück vor; die Schülerinnen und Schüler müssen alles mitschreiben und dabei möglichst wenig Fehler machen.

Beim Schleichdiktat wird die Textvorlage ausgedruckt und irgendwo im Klassenzimmer aufgehängt oder hingelegt. Die Kinder müssen nun ganz leise einzeln zur Vorlage gehen, sich jeweils eine Textstelle einprägen und diese dann am Platz aufschreiben.

Jedes Kind darf sooft zur Textvorlage schleichen, wie es möchte, bis es den gesamten Text fertig geschrieben und eventuell sogar selbst korrigiert hat.

Die Regel für alle lautet: Es muss mucksmäuschenstill im Klassenzimmer sein. Niemand darf laute Geräusche machen; weder beim Schleichen noch durch Gespräche mit den anderen.

Du kannst dieses Diktat für den Deutschunterricht und genauso für den Fremdsprachenunterricht verwenden.

Indianerdiktat

Manche Lehrkräfte nennen diese Art Diktat auch Indianerdiktat; die nordamerikanischen Ureinwohner waren der Überlieferung nach sehr geschickt darin, sich praktisch lautlos anzuschleichen.

Dieses YouTube-Video zeigt einen Ausschnitt eines Schleich- oder Laufdiktats im Zeitraffer (15 Sekunden):

my summer video

Vorteile des Schleichdiktats

Das Schleichdiktat hat gegenüber der normalen Variante einige Vorteile:

Selbstständiges Arbeiten

Da alle Kinder den korrekten Text nachlesen können, können sie Fehler auch selbst korrigieren. Dadurch lernen sie eigenverantwortliches, selbstständiges und gewissenhaftes Arbeiten – und die Lehrkraft hat „hat frei“.

Konzentration

Die Kinder müssen nicht lange still sitzen, sondern stehen regelmäßig auf. Das kommt Kindern mit großem Bewegungsdrang entgegen und hilft bei der Konzentration.

Doch da sie schleichen oder ruhig gehen müssen, entsteht keine Unruhe. Die Kinder bleiben trotz Bewegung konzentriert. Das „still sein“ ist kein Zwang, sondern Teil der Übung.

Mehr Spaß

Nicht zuletzt haben die Kinder beim Schleichdiktat einfach viel mehr Spaß. Es fühlt sich nicht wie ein Diktat an, sondern fast wie eine Sportübung.

Ebenso mögen einige Kinder davor weniger Angst haben als vor einem normalen Diktat: Sie können schwierige Textstellen mehrmals lesen und mit ihrem Text vergleichen; jedes Kind kann sein eigenes Tempo gehen.

Was ist ein Laufdiktat?

Ein Laufdiktat ist vom Ablauf her genau dasselbe wie ein Schleichdiktat – nur mit schnellerem Gehtempo. Theoretisch könntest du den Text sogar am anderen Ende des Flurs oder draußen auf dem Pausenhof aufhängen und die Schülerinnen und Schüler müssen jeweils dorthin und wieder zurückrennen. Das wäre dann ein „Renn-Diktat“.

Beim Schleichdiktat liegt der Fokus vorwiegend auf konzentriertem und ruhigem Arbeiten. Beim Lauf- oder Renndiktat fügst du eine sportliche Komponente hinzu. Du könntest sogar einen Wettbewerb daraus machen: Wer die wenigsten Fehler macht und am schnellsten fertig ist, gewinnt.

Das (schnellere) Laufdiktat eignet sich eher für Jugendliche; kleinere Kinder tun sich wahrscheinlich schwer damit, sich zwischen den Rennphasen konzentriert zu schreiben.

Mehr Ideen gewünscht? Hier findest du tolle Spiele für den Fremdsprachenunterricht; und hier effektive Übungen und Methoden zum Grammatik unterrichten.

Ein Schleichdiktat oder Laufdiktat durchführen

Du willst es mal mit deinen Schülerinnen und Schülern ausprobieren? So funktionierts.

(Bis auf die Gehgeschwindigkeit führst du beide Diktat-Arten gleich durch – ich rede der Einfachheit halber nachfolgende immer von „gehen“.)

Texte vorbereiten und anbringen

Erstelle die Blätter mit den Wörtern, Sätzen oder ganzen Texten, die geschrieben werden sollen. Drucke sie aus oder schreibe sie auf Kärtchen.

Tipp: Laminiere die Blätter oder Karten, dann kannst du sie immer wieder verwenden, sparst Papier und schonst die Umwelt.

Hänge die Texte nun im Klassenzimmer oder an einem anderen Ort auf. oder lege sie hin. Wichtig: Die Texte dürfen von keinem Platz aus zu lesen sein; sonst hätten diese Kinder gegenüber den anderen einen Vorteil.

Bringst du die Texte außerhalb des Klassenzimmers an, stelle sicher, dass ihre die anderen Klassen nicht stört. Sprich dich am besten mit den Kolleginnen und Kollegen ab.

Auf jeden Text können wahrscheinlich maximal drei bis vier Personen gleichzeitig schauen; deshalb musst du wahrscheinlich jeden Text mehrmals aufhängen, an verschiedenen Stellen im Raum. Sonst gäbe es vor den Vorlagen wahrscheinlich ein Gerangel und die Konzentration wäre dahin.

Du kannst entweder den gesamten Text mehrfach als Vorlage erstellen, oder die Textpassagen auf einzelne Blätter oder Kärtchen aufteilen. In letzterem Fall müssten die Kinder dann verschiedene Stationen anlaufen, je nachdem, was sie gerade schreiben.

Die Kinder lesen den Text durch

Nun ermöglichst du jedem Kind, den Text oder alle Wörter in Ruhe durchzulesen und sich einen Überblick zu verschaffen.

Eventuell musst du diese Klasse in mehrere Gruppen aufteilen und nacheinander zu den Vorlagen kommen lassen. Wichtig ist, dass während dieser Zeit noch niemand mit Schreiben anfängt und sich so einen Vorsprung verschafft.

Die Kinder schreiben … und gehen … und schreiben

Nun beginnen alle Schülerinnen und Schüler mit dem Schreiben. Wenn das Diktat aus einzelnen Wörtern oder Passagen besteht (und nicht aus einem zusammenhängenden Text), können sie selbst entscheiden, in welcher Reihenfolge sie die Passagen schreiben möchten.

Je nach Bedarf geht (schleicht, läuft) nun jedes Kind selbstständig zur Vorlage und wieder zum Platz und schreibt das gesamte Diktat fertig.

Wenn du es etwas schwieriger machen willst, kannst du die Zeit oder die Anzahl der erlaubten Gänge begrenzen.

Die Kinder geben das Diktat ab

Wenn ein Kind den Text komplett abgeschrieben hat, sollte es ihn nochmals selbstständig kontrollieren; dafür kann es wieder zu den Textvorlagen gehen und die Schreibweisen vergleichen.

Danach geben alle das Diktat ab, wie gewohnt.

Kennst du noch weitere, tolle Diktat-Varianten? Erzähl mir doch in den Kommentaren davon.

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